Geistlicher Impuls

PREDIGT BEI DER HANDWERKERMESSE 2026

Liebe Kolpingschwestern und - brüder !
Wenn wir an den heiligen Josef denken, sehen wir oft das Bild eines stillen, alten Mannes vor uns, der im Schatten der Heiligen Familie steht.
Adolph Kolping aber, der Gesellenvater, hat sein Werk, den Gesellenverein, ganz bewusst dem Schutz des heiligen Josef anvertraut. Und das hatte er wohl überlegt. Denn der heilige Josef ist einerseits der Patron der Arbeiter und der Handwerker, und er hat selber mit der Arbeit seiner Hände sein Brot verdient. Gleichzeitig ist der heilige Josef aber auch der, der Maria und vor allem den Jesuskind Schutz und Geborgenheit und ein Zuhause bietet. Der heilige Josef, war, so könnten wir deshalb sagen, ein Heiliger mit Kopf, Herz und Hand. Er war verwurzelt in Gott und stand mitten im Leben.
Auch wenn er keine aufsehenerregenden Taten vollbrachte, sondern immer eher in den Hintergrund tritt, und vielleicht gerade deshalb, ist er uns als Wegweiser und Vorbild vor Augen gestellt.
Josef war kein Mann großer Worte. In der Heiligen Schrift finden wir keinen einzigen Satz, der von ihm überliefert ist. Er ist ein Mann der Tat. Die Bibel nennt ihn einen „Tekton“, was oft mit Zimmermann übersetzt wird, aber eigentlich ein Bauhandwerker ist – ein Architekt, Maurer oder Schreiner, der mit Holz und Stein arbeitet. 
In unserer modernen Welt wird die Arbeit ja oft nur als Mittel zum Zweck gesehen. Der hl. Josef lehrt uns da eine ganz andere Sichtweise: Durch die Arbeit kann das Leben geheiligt werden.
Für ihn bedeutet Handwerk, treu und gewissenhaft zu sein. Es bedeutet: Mit den Händen arbeiten und dabei Gott im Herzen haben. Und es bedeutet: Demut. Der hl. Josef hat nicht nach Ruhm gestrebt, sondern er hat im Stillen seinen Dienst getan. 
Der hl. Josef also zeigt uns, dass Arbeit mehr ist als Lohn. Sie ist Mitwirkung an der Schöpfung. In einer Welt, die Lärm und Macht schätzt, erinnert er uns an den Wert des Stillen, des Hingebungsvollen und des Verlässlichen.
Liebe Schwestern und Brüder, bedenken wir darum immer wieder neu, was der heilige Paulus uns im Kolosserbrief aufträgt: „Tut eure Arbeit gern, als wäre sie für den Herrn und nicht für Menschen" (Kol 3, 23).
Verbinden auch wir unsere Arbeit mit Gott, so wie der hl. Josef es getan hat. Machen wir unsere tägliche Arbeit so zu einem Gottesdienst – zu einem handwerklichen Beitrag, die Welt ein Stück besser zu machen. Tun wir alles, was wir machen, in Worten oder in Werken, im Namen Jesu, des Herrn, und bitten wir den heiligen Josef, uns die nötige Freude bei der Arbeit zu schenken. Amen.

Msgr. Dr. Stefan Killermann
Diözesanpräses

Gebet für Europa

„Vater der Menschheit, Herr der Geschichte, sieh auf diesen Kontinent, dem du die Philosophen, die Gesetzgeber und die Weisen gesandt hast, Vorläufer des Glaubens an deinen Sohn, der gestorben und wieder auferstanden ist. Sieh auf diese Völker, denen das Evangelium verkündet wurde, durch Petrus und Paulus, durch die Propheten, durch die Mönche und die Heiligen. Sieh auf diese Regionen, getränkt mit dem Blut der Märtyrer, berührt durch die Stimme der Reformatoren. Sieh auf diese Völker, durch vielerlei Bande miteinander verbunden, und getrennt durch den Hass und den Krieg. Gib uns, dass wir uns einsetzen für ein Europa des Geistes, das nicht nur auf wirtschaftlichen Verträgen gegründet ist, sondern auch auf menschlichen und ewigen Werten: Ein Europa, fähig zur Versöhnung, zwischen Völkern und Kirchen, bereit, um den Fremden aufzunehmen, respektvoll gegenüber jedweder Würde. Gib uns, dass wir voll Vertrauen unsere Aufgabe annehmen, jenes Bündnis zwischen den Völkern zu unterstützen und zu fördern, durch das allen Kontinenten zuteilwerden soll die Gerechtigkeit und das Brot, die Freiheit und der Frieden. AMEN.“

Carlo Maria Kardinal Martini SJ (+)

Friedensgebet

A: „…ohne Gott kein Friede und kein Glück!“

V: Guter Gott, gewaltlos aber nicht ohnmächtig suchen wir nach Frieden. Du selbst lädst uns ein, den Frieden anzunehmen, den Du uns angeboten hast. Lass uns zu Menschen werden, die Vorurteile aus dem Weg räumen, die bereit sind, die Fehler einzugestehen und Andersdenkende verstehen zu wollen.

A: „…ohne Gott kein Friede und kein Glück!“

V: Der Unfriede in dieser Welt beginnt in uns, in unserem Herzen, in unserem Denken. Hilf uns, das Geschenk des Friedens zu entdecken. Stärke auch durch uns die Menschen, die sich für den Frieden einsetzen. Gib uns Kraft und Geduld für den Umgang mit Unrecht. Schenke uns Deinen Geist, den Geist der Weite und der Liebe, den Geist, der uns zum Frieden anleitet.

A: „…ohne Gott kein Friede und kein Glück!“ V: Dein Friede verlangt von uns mehr, als dass wir nichts gegeneinander haben. Er ist nicht tatenloses Zusehen wie sich Unrecht vermehrt. Du willst nicht, dass wir uns vor dem Bösen ducken, Friedfertigkeit mit Gleichgültigkeit verwechseln. Friede wird, wenn wir uns einsetzen für das Gute, wenn wir deine Gegenwart in dieser Welt leben, wenn wir handeln aus deiner Liebe.

A: „…ohne Gott kein Friede und kein Glück!“ Amen.

V: Bleibe mit uns auf dem Weg des Friedens.

A: Amen.

Gebet: Weihbischof Josef Holtkotte (ehem. Bundespräses), Kolpingwerk Deutschland, Köln, 2018 Zitat: „…ohne Gott kein Friede und kein Glück!“ nach Adolph Kolping 

Gebet für EINE/SEINE Welt

Glaubende Menschen sollten überlegen, wie sie eine beständige
Bewegung für Entwicklung und Menschenrechte in der
Welt bilden können. Dies ist gewiss dringlicher als manches
andere. Hier geht es um Fragen der Gerechtigkeit, der Ethik
und der Freiheit. Dazu brauchen wir unsere eigenen Wurzeln
im Glauben, Kommunikation in unserer Gesellschaft und die
Bereitschaft, den Reichtum der Verschiedenheit zu entdecken.


Mein Gebet für EINE / SEINE Welt ist ein Gebet für das Miteinander
unterschiedlicher Menschen und Religionen in unserer
Gesellschaft, und damit ein Gebet für den Frieden.


Es stärkt die eigene (Glaubens-)Überzeugung und nimmt jeden
Menschen in Schutz gegen Machtbesessenheit, Fundamentalismus,
Fanatismus, Terrorismus und Rassismus.


Das Gebet drückt das Suchen und Finden des EINEN Gottes
und unsere gemeinsame Verantwortung für SEINE Welt aus.
Der Glaube an Gottes Gerechtigkeit, an seine Güte und Barmherzigkeit
verbindet glaubende Menschen. Dieses Gebet möge
das friedliche Miteinander aller Menschen stärken.


Gebet und Gedanken: Bundespräses Josef Holtkotte, Kolpingwerk Deutschland,
Köln, 2017